„Elefantastisch!“ – Neue Sonderausstellung wurde in Gotha eröffnet
Gotha und Elefanten? Nur auf den ersten Blick ist dies ein Widerspruch, denn es gibt kaum eine Stadt in Deutschland, die eine engere Beziehung zum Tier mit dem Rüssel hat. Gotha ist eine Elefantenstadt. Die elefantastische Geschichte Gothas beginnt 1678 mit der Verleihung des Königlich-Dänischen Elefantenordens an Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Das Ordenskleinod wurde in das herzogliche Wappen aufgenommen, findet sich in fast allen Darstellungen des Herzogs wieder und löste eine wahre Elefantomanie aus, die sich noch verstärkte als Friedrich II. der nächste Ordensträger in Gotha wurde. Für die Kunstkammer wurden Elefanten aus Gold, Silber, Bernstein und natürlich Elfenbein erworben, die Augustinerkirche in der Stadt erhielt ihren Elefanten und vier Teppiche mit dem Elefantenwappen wurden in Auftrag gegeben. Zahlreiche Kupferstiche und Münzen mit Elefantendarstellungen sind im Schlossmuseum erhalten, im Staatsarchiv das Original der Verleihungsurkunde des Elefantenordens, in der Forschungsbibliothek u. a. ein Himmelsglobus mit Elefant und das für seine Zeit außergewöhnliche Werk der „Elephantographia curiosa“ (1723) des Petri von Hartenfels.
Schon 1695 fand man unweit von Gotha in Burgtonna riesenhafte Knochen, die zu allerhand Spekulationen Anlass gaben. Was manche für die Knochen eines Riesen hielten, deutete der Gothaer Forscher Wilhelm Ernst Tentzel als Knochen eines „sintflutlichen“ Elefanten. Es war eine für damalige Zeiten außergewöhnliche These, bei der Tentzel von Gottfried Wilhelm Leibniz unterstützt wurde. Tatsächlich handelte es sich um Knochen eines Waldelefanten, eine Art, die in Europa vor 35.000 Jahren ausgestorben ist. Der Knochenfund erweckte großes Aufsehen. Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg nahm den Elefantenschädel persönlich vor Ort in Augenschein. Sehr wahrscheinlich wurde das bekannte „Hotel Elephant“ 1696 in Weimar nach diesem Fund benannt.
Im 19. Jahrhundert bereicherte ein weiterer spektakulärer Elefant die Gothaer Sammlungen. Die Haut des auf tragische Weise zu Tode gekommene Menagerie-Elefanten „Miss Baba“ kam nach Gotha und wurde hier zu einem Präparat, das heute zu einem der ältesten seiner Art in ganz Mitteleuropa zählt. Die Knochen gab man seinerzeit nach Jena, erst 2007 kamen sie ebenfalls nach Gotha, so dass Miss Babas Haut und Knochen nunmehr wieder – wenn auch nebeneinander – vereint sind.
Ausstellung
Die Ausstellung zeigt, ausgehend von den reichen Gothaer Beständen, den Elefanten in Natur, Kunst und Geschichte. Neben den Knochenfunden aus Burgtonna und dem (als Menagerieelefanten ausstaffierten) Präparat von „Miss Baba“ sind zahlreiche elefantastische Kunstwerke aus eigenen Beständen zu sehen. Leihgaben kommen aus Berlin, Braunschweig, Coburg, Eisenach, Gera, Halle, Hannover, Heidelberg, Jena, München, Nürnberg, Rudolstadt, Suhl, Wernigerode, Wiesbaden und – Schloss Rosenborg in Kopenhagen, das u. a. die Kollane und die Ordenskleinodien zum Königlich Dänischen Elefantenorden zur Verfügung gestellt hat.
Am Ende der Ausstellung birgt ein Zirkuszelt zahlreiche private Leihgaben, Elefanten aus Plüsch, Holz oder anderen Materialien, die den Gothaern ans Herz gewachsen sind und die sie eigens für die Dauer der Ausstellung hergegeben haben. In dieser Nachbarschaft finden sich auch zwei Exponate, die auf die Karriere des Elefanten in Comic, Zeichnung und Kinderbuch seit dem 20. Jahrhundert verweisen: eine originale Elefanten-Zeichnung von Loriot und ein originaler „Ottifant“ von Otto.
Drei Kooperationen
Ein kleiner blauer Elefant als Schirmherr der Ausstellung
Schirmherr der Ausstellung ist der kleine blaue Elefant aus der Sendung mit der Maus. Über seine amtliche Funktion hinaus führt er junge Besucher auf vielen eigens gestalteten Schildern mit besonderen Informationen zum Leben der Elefanten und zu den elefantastischen Kunstwerken durch die Ausstellung. Im Zirkuszelt in der Ausstellung kann der Elefant in verschiedenen Szenen aus seiner Sendung „Elefantastisch!“ bewundert werden.
Kooperation mit dem Thüringer Zoopark Erfurt
Anlässlich der Ausstellung ist die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha eine Kooperation mit dem Thüringer Zoopark Erfurt eingegangen. Mit einer Eintrittskarte zur Ausstellung erhält man einen um 1 € ermäßigten Eintritt im Zoopark und umgekehrt. Darüber hinaus stellt der Zoopark einen lebenden Rüsselspringer aus, keinen Elefanten, aber ein Tier, das eine gewisse anatomische Ähnlichkeit mit ihm aufweist.
Exotische Genüsse – Kooperation mit dem Hotel am Schlosspark Gotha
Teil des Rahmenprogramms ist eine Kooperation mit dem Hotel am Schlosspark in Gotha. An sechs Terminen zwischen Mai und Oktober bieten Hotel und Schloss gemeinsam einen elefantastischen Abend an: Nach einer besonderen Führung durch die Ausstellung und einem Aperitif im Schlosshof erwartet die Gäste ein besonderes Menü mit Speisen aus der Heimat des Afrikanischen Elefanten. Das Menü wird garniert mit elefantastischen Anekdoten und Geschichten.
Reiches Rahmenprogramm
Das Rahmenprogramm zur Ausstellung bietet darüber hinaus ein buntes Programm an Vorträgen, museumspädagogischen Veranstaltungen und Führungen. Auch das Ekhof-Festival nimmt das Thema in einigen Veranstaltungen auf. Hervorzuheben ist der „Elefantentag“ auf Schloss Friedenstein am 2. Juli 2011, an dem nicht nur der blaue Elefant in Gotha präsent sein wird, sondern zahlreiche Führungen und weitere Veranstaltungen den Tag zu einem elefantastischen Erlebnis machen werden.
Begleitband
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband im Deutschen Kunstverlag München/Berlin mit Beiträgen zum Elefanten in Mythos, Kunst, Natur, Geschichte und Wissenschaft von Ute Däberitz, Martin Eberle, Roland Krischke, Thomas Martens, Peter Mildner, Rainer Samietz, Uta Wallenstein und Wolfgang Zimmermann. Der Band ist im Buchhandel für 24,90 € erhältlich, in der Ausstellung zum Sonderpreis von 19,90 €.











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